Im Fokus: Intelligent Cable Protection System (ICPS)
Mit dem zunehmenden Ausbau und der steigenden Komplexität schwimmender Offshore-Energieplattformen (Solar und Wind) wachsen auch die Anforderungen an ihre unterstützenden Systeme – insbesondere an Unterseekabel. Kabelausfälle stellen heute den größten operativen Kostenfaktor in der Offshore-Windindustrie dar und verursachen sowohl direkte Reparaturkosten als auch Einnahmeverluste durch ungeplante Stillstände. Dennoch setzt ein Großteil der Branche weiterhin auf reaktive Wartungsstrategien, die langsam, risikoreich und kostenintensiv sind – und den Einsatz spezialisierter Schiffe, geeigneter Wetterfenster, Taucher oder ROVs erfordern.
Im Projekt FORE-PAIR adressieren wir diese Herausforderung – mit einem Intelligent Cable Protection System (ICPS), entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Team Advanced Offshore Components von Rosenxt. ICPS ist primär für schwimmende Offshore-Windparks konzipiert, in denen dynamische Kabelbelastungen und besonders anspruchsvollen Umgebungsbedingungen neue Maßstäbe an Widerstandsfähigkeit, Transparenz und Intelligenz erfordern.
Von passivem Schutz zu prädiktiver Intelligenz
Im Zentrum der Lösung steht – als erster Schritt – eine neue Generation von Biegebegrenzern (Bend Stiffener) auf Polyurethanbasis. Diese sind nicht nur darauf ausgelegt, dynamische Kabel mechanisch vor übermäßigen Biegebelastungen zu schützen, sondern fungieren zugleich als sensorgestützte Monitoring-Einheiten. Im Rahmen von FORE-PAIR liegt der Fokus darauf, dieses intelligente System rund um den Bend Stiffener bis zum Technologiereifegrad TRL 4 zu entwickeln und zu validieren.
Ziel ist es, mechanische Belastungen sowie Schadensindikatoren – einschließlich möglicher Sabotage – frühzeitig zu erkennen und so vorausschauende Wartung sowie risikobasierte Inspektionen vor einem Ausfall zu ermöglichen.
Die Vision hinter ICPS
- Sensoren, die in das Material der Bend Stiffener integriert sind, erfassen das mechanische Verhalten in Echtzeit während des Betriebs der Windturbinen.
- Diese Daten werden verarbeitet, um Anomalien zu erkennen, die auf Kabelermüdung oder Schäden hinweisen könnten.
- Die Informationen werden sicher gespeichert und in eine zentrale Datenplattform für den gesamten schwimmenden Windpark integriert.
- Betreiber erhalten konkrete Handlungsempfehlungen, um gezielte Wartungsmaßnahmen zu planen – wodurch Notfalleinsätze reduziert und die Lebensdauer der Kabel verlängert werden.
- In einem zweiten Schritt wird das Konzept auf weitere Kabelschutzkomponenten wie Bend Restrictors ausgeweitet. Ziel ist ein vernetztes, intelligentes Schutzsystem, das die Resilienz, Transparenz und Betriebseffizienz schwimmender Offshore-Windparks nachhaltig steigert.
In einer zukünftigen Entwicklungsstufe könnte das System eine autonome Kommunikation zwischen dem ICPS und einem autonomen Unterwasserfahrzeug (AUV) von Rosenxt ermöglichen. Bei erkannten Anomalien könnte das AUV automatisch zur Inspektion entsendet werden und – sofern technisch möglich – eigenständig Korrektur- oder Reparaturmaßnahmen einleiten.
Ausblick
ICPS ist mehr als eine einzelne Komponente – es ist ein Schritt hin zu intelligenteren Kabelsystemen, die mechanische Belastbarkeit mit digitaler Intelligenz verbinden.
Langfristig eröffnen solche Lösungen nicht nur die Möglichkeit gezielter Eingriffe, sondern auch ein umfassendes, zustandsbasiertes Management von Kabelinfrastrukturen in schwimmenden Offshore-Windparks.